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Weise den Weg (Märchenerzählung)

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Lyrics

Nicht jede Dunkelheit lässt sich mit einer Flamme erhellen Es gibt Dunkelheit, die Kerzenflammen erstickt und die Sterne verhüllt Es gibt Finsternis, die den Mond verbirgt Und keinen Lichtstrahl durchlässt Es gibt Nächte, die sich wie eine Decke über Die Erde legen und alles unter sich begraben In einer solchen Nacht hatte sich das Mädchen Eria im Wald verlaufen Sie war hinausgegangen, um Reisig zu sammeln Und hatte sich weit ins Gehölz vorgewagt Als die Dämmerung sie überrascht hatte War Eria blindlings den Weg zurückgelaufen Doch was sie für den Weg gehalten hatte, verlor sich im Dickicht So hatte sie eine Nacht in Kälte und Angst Verbracht und war durstig und erschöpft Als das erste Morgenlicht durch die Äste und Zweige brach, machte sie sich auf den Weg Denn wenn sie nur immer geradeaus lief, so musste sie Früher oder später an den Waldrand kommen, so dachte sie Die Tannennadeln dämpften ihre Schritte und gegen Die Angst sang sie mit ihrer zarten Stimme ein Lied Sie wusste nicht, dass sie sich immer tiefer ins Herz des Waldes begab Und hielt die spärlicher werdenden Baumstämme für ihre Rettung So war der Schmerz umso größer, als sie auf eine Lichtung Hinaustrat, die ringsum von Weiden umschlossen war Sie kannte die Lichtungen nahe des Waldrands Und auf keiner davon wuchsen Weidenbäume Eria ließ sich mitten auf der Lichtung nieder Vom Sonnenlicht golden gesprenkelt und weinte In diesem Moment strich der Wind durch die Wipfel und sein Rauschen erfüllte die Luft Sogleich horchte Eria auf, denn sie erinnerte Sich an das Lied, das sie eben gesungen hatte "Wind in den Weiden, so weise den Weg" , Sang sie mit ihrer schönen Stimme Und das Rauschen in den Wipfeln wurde leiser, als höre es ihr zu "In deiner Hand ward mein Schicksal gelegt" Der Wind fuhr nieder auf die Lichtung Und zerzauste Eria spielerisch das Haar Sie spürte seine Knuffe und sein Kitzeln und dann Schoss er zwischen die Bäume und bewegte das Laub "Ist das der Weg?", stieß das Mädchen Hervor, "Führst du mich fort von hier?" Eria lief in den Wald hinein und wie zur Antwort begleitete Das Rauschen ihre Schritte und stieb in die Bäume Vor ihr, dass diese vor Schreck die Blätter abwarfen Der Wind führte sie an einen Bach, wo sie ihren Durst Und zu süßen Beeren, wo sie ihren Hunger stillen konnte Und keinen halben Tag später trat sie aus dem Wald Es war kein vertrauter Blick, der sich ihr öffnete Sie sah ein Dorf, das nicht ihres war Und Felder, deren Bauern sie nicht kannte Doch der Wind zerzauste ihr Haar und sie zog mit ihm weiter Erst in das Dorf, dann in eine Stadt, wo sie ihr Lied sang und der Wind die Leute neckte, dass sie lachten und Eria Münzen zuwarfen Gemeinsam blieben sie mal hier, mal dort und Bald hatte Eria ihr altes Leben vergessen Sie sah die Welt mit ihren Wüsten und Ozeanen Sie sah Dächer aus Gold und Fahnen von Silber und Purpur Sie sah Tiere, wie sie nur einer lebhaften Fantasie entsprungen sein konnten Überall staunten die Leute über das Mädchen mit dem Wind und gaben ihr gern, was sie zum Leben brauchte Doch während der Wind seit Anbeginn der Zeit über die Erde wandert und es tun wird, bis die Sterne einst Nicht mehr leuchten, waren die Lebtage von Eria gezählt Irgendwann war sie kein Mädchen mehr, sondern eine Frau Und irgendwann an einer Waldlichtung voller Weidenbäume konnte sie nicht mehr weiter "Wind in den Weiden, so weise den Weg", sang Sie leise ihr Lied, während sie ganz müde wurde "In deiner Hand ward mein Schicksal gelegt" Und der Wind zerzauste ihr das Haar Und strich rauschend durch die Bäume Er wusste, worauf er zu warten hatte Da schloss Eria die Augen und ehe ihre Seele in den Himmel Entweichen konnte, nahm der Wind sie zu sich und knuffte sie sanft Seither ziehen sie gemeinsam um die Welt, das Mädchen und der Wind Und überall, wo sie ihr Lied singen, freuen sich Die Menschen und erzählen ihre Geschichte weiter