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Tristan und Isolde, Act 2: "Tatest du's wirklich? Wähnst du das?" - "Wozu die Dienste ohne Zahl" (Marke, Tristan)
Herbert von Karajan
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Tatest du's wirklich, wähnst du das?
Sieh ihn dort, den treusten aller Treuen!
Blick auf ihn, den freundlichsten der Freunde!
Seine treue, fleischte Tat traf mein Herz mit weidlichstem Verrat!
Trug mich Tristan? Soll ich hoffen
Was sein Trügen mir getroffen?
Sei durch Melots Rat redlich mir bewahrt!
Hab's mich, Fenster! Lohbeträumer!
Heuchler und Wüst, entflieht, entweißt!
Mir geh's! Dich, Tristan, mir!
Wohin nun Treue, da Tristan mich betrog?
Wohin nun Ehr und echte Art, da aller
Ehren Hort, da Tristan sie verlog?
Wie Tristan sich zum Schild erkroh?
Wohin, des Tugend nun entfloh?
Da meinem Freund sie flieht, da Tristan mich verriet!
Wozu die Dienste ohne Zahl der Ehren Ruhm
Der Größe Macht, die Marken du gewannst?
Mußt Ehr und Ruhm, Grüss und Macht, mußten die
Dienste ohne Zahl der Markes Macht bezahlen?
Dünkte zu wenig dich sein Dank, daß, was du ihm erworben
Ruhm und Reiche zu Ehren und Zeugen dir gab?
Da kinderlos einst schwand sein Weib, so liebte er
Dich, daß er aufs neu sich noch gewollt vermählen
Alles Volk, Hof und Land, mit Bitt und Reuen ihm ihn drang
Die Königin dem Lande, die Gattin sich zu knieten
Da selber du den unbesworst des Hofes Wunsch, des Landes Willen
Gütlich zu erfüllen, in wert wider Hof und Land, in wert selbst
Gegen dich mit List und Güte weigerte er sich, bis, Tristan, du ihm
Drohtest, für immer zu meinem Hof und Land würdest du selber nicht
Entsann, den König die Braut zu frein, da ließ es der Herr so sein!