Der Vampyr: Nr.13 - Ihr wollt mich nur beschämen
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Lyrics
Nr. 13 - Terzett
EMMY
Ihr wollt mich nur beschämen,
So eitel bin ich nicht,
Um für Ernst es anzunehmen,
Was Euer Mund nur spricht.
RUTHWEN
Nein, liebe süsse Kleine,
Glaub' mir, ich scherze nicht;
Deine Schönheit ist's alleine,
Die so mein Herz besticht.
Der Diener George Dibdin kommt unbemerkt, den Hut auf dem Kopf, Pistolen im Gürtel, von links hinten vor der Terrasse
FÜNFTER AUFTRITT
Die Vorigen. George ungesehen zurückstehend
GEORGE
für sich
Potz Blitz! was muss ich schauen!
Die sind ja sehr vertraut!
Darf ich meinen Augen trauen,
Ist denn das nicht meine Braut?
RUTHWEN
Welche Wonne sondergleichen,
Sanft die Wange dir zu streichen,
Dir die weiche Hand zu drücken,
Liebend dir ins Aug' zu blicken,
So den Arm um dich zu schlingen,
Dich zu drücken an die Brust!
Ach, welch ein Opfer wollt' ich bringen,
Gönntest du mir diese Lust!
Er umfasst sie
EMMY
ihn sanft abwehrend
Ihr wollt mich nur beschämen,
So eitel bin ich nicht,
Um für Ernst es anzunehmen,
Was Euer Mund nur spricht.
GEORGE
für sich
Ei, ei, was muss ich sehen,
Jetzt drückt er ihr die Hand,
Und sie lässt es auch geschehen,
Das ist ja ganz charmant.
RUTHWEN
Ich sollte dich fast schelten,
Ich tat so viel für dich,
Und du willst mir nicht vergelten,
Ist das nicht grausam, sprich?
GEORGE
für sich
Jetzt drückt er ihr die Hand,
Und sie lässt es auch geschehen!
Das ist ja ganz charmant!
EMMY
Ihr sucht mein Glück zu gründen,
Das sehe ich wohl ein!
Ach, ich kann nicht Worte finden,
Euch meinen Dank zu weihn!
Ach, ich kann nicht Worte finden,
Euch meinen Dank zu weihn!
RUTHWEN
Du kannst für mein Bestreben
Den schönsten Lohn mir geben!
Ein einz'ger Kuss von dir
Gilt mehr als Kronen mir!
GEORGE
erstaunt und empört
Ein Kuss!
EMMY
verschämt
Wie?
GEORGE
wie oben
Was muss ich hören?
EMMY
wie oben
Ein Kuss?
GEORGE
wie oben
Er will sie küssen?
EMMY
Wie?
GEORGE
Was?
EMMY
Ein Kuss? Ein Kuss? Ein Kuss? Ein Kuss?
Ruthwen will sie küssen
EMMY
entwindet sich ihm
Ihr wollt mich nur beschämen,
So eitel bin ich nicht,
Um für Ernst es anzunehmen,
Was Euer Mund nur spricht.
RUTHWEN
Nein, liebe süsse Kleine,
Glaub' mir, ich scherze nicht,
Deine Schönheit ist's alleine,
Die so mein Herz besticht. -
Er küsst Emmy. Emmy entwindet sich ihm und läuft an ihm vorüber nach links
RUTHWEN
für sich
So, jetzt ist sie mir verfallen,
Und das Ziel ist nicht mehr weit,
Er lacht.
Haha!
EMMY
für sich
Solchem Herrn zu gefallen,
Ist doch keine Kleinigkeit!
Soll mich das nicht eitel machen?
RUTHWEN
für sich
Jetzt ist sie mir verfallen!
Ha, die Hölle hör' ich lachen!
Ha, jetzt ist sie mir verfallen,
Und das Ziel ist nicht mehr weit!
Ha, die Hölle hör' ich lachen!
GEORGE
für sich
Wie, sie lässt sich das gefallen?
Ha, bei Gott, das geht zu weit!
Soll mich das nicht rasend machen?
Ha, bei Gott, das geht zu weit!
Ha, das geht zu weit!
Ruthwen und Emmy sprechen zusammen
GEORGE
für sich
Soll mich das nicht rasend machen?
Er tritt im vierten Takte vor, Emmy zur Linken
Guten Abend -
RUTHWEN
beiseite
Ei, sieh da, der Bräutigam!
GEORGE
Meine Beste!
EMMY
verlegen
Kommst du endlich auch zum Feste?
GEORGE
Ja, Zeit war es, dass ich kam.
EMMY
blickt fortwährend nach Ruthwen
Unser neuer Herr will dich
Hier zum Gutsverwalter machen.
GEORGE
a, das merk' ich, schöne Sachen,
und zum Eigentümer sich.
RUTHWEN
beiseite
Eifersucht? Das ist zum Lachen!
Guter Tropf, du dauerst mich!
EMMY
beiseite
Eifersucht am ersten Tage! -
Nun fürwahr, nun fürwahr,
Das kommt zu früh!
GEORGE
beiseite
Ja, sie hat recht, die alte Sage:
Weibern trau' und Katzen nie!
Ja, ja, sie hat recht, die alte Sage:
Weibern trau' und Katzen nie!
EMMY
beiseite
Eifersucht am ersten Tage,
Nun fürwahr, das kommt zu früh!
GEORGE
beiseite
Ja, sie hat recht, die alte Sage:
Weibern trau' und Katzen nie!
RUTHWEN
zu Emmy
Nun, ich gehe, Liebesleute
Sind am liebsten doch allein!
Nur vergiss nicht, dass du heute
Meine Tänzerin willst sein. -
George geht grollend nach hinten. Emmy folgt dem Eifersüchtigen und sucht ihn mit leisen Worten zu beruhigen
RUTHWEN
beiseite, mit einigen Schritten nach rechts
Ha, wie mein Herz vor Freude bebet,
Nun ist das zweite Opfer mein!
Die ihr mich unsichtbar umschwebet,
Jubelt! jubelt! Bald wird sie euer sein!
Er blickt Emmy finster an, sich ihr mit einigen Schritten nähernd. George tritt Ruthwen zur Rechten vor
EMMY
ebenso Ruthwen zur Linken, für sich
Mein Herz schwankt zwischen Furcht und Liebe,
Und mir wird wohl und weh zu Sinn;
Mit süss geheimnisvollem Triebe
Zieht es mich zu dem Fremdling hin!
GEORGE
für sich
Wie bei böser Geister Hausen,
So unheimlich wird mir zu Mut!
Mich überläuft's mit kaltem Grausen,
Weh mir! das endet nimmer gut!
RUTHWEN
für sich
Ha! wie mein Herz vor Freude bebet!
Nun ist das dritte Opfer mein!
Die ihr mich unsichtbar umschwebet,
Jubelt, bald wird sie euer sein!
Er geht ab nach rechts vor der Terrasse. George geht ihm drohend einige Schritte nach. Emmy wendet sich nachdenklich nach links
SECHSTER AUFTRITT
George, Emmy zu seiner Linken
GEORGE
für sich
Er geht! Nun ist mir wieder wohl!
EMMY
verlegen, das Gespräch zu eröffnen
Weisst du wohl, George, dass es gar nicht schön von dir ist, dass du heute so spät kommst.
GEORGE
So ist's recht, mach' du mir noch Vorwürfe! Aber das ist schön, dass du hier im Mondenschein mit fremden jungen gnäd'gen Herrn charmierst, dir die Hand drücken, dich um den Leib fassen und am Ende gar küssen lässt? Nicht wahr, das ist schön?
EMMY
Ach, das war ja unser neuer gnäd'ger Herr! Und er will uns versorgen!
Sie zeigt den Ring an ihrem Finger
Sieh nur den kostbaren Ring, den er mir schenkte. Er ist so gut, so liebreich, so herablassend, so -
GEORGE.
Nun? Nur heraus damit: so schön, so liebenswürdig, dass ich nur ein Klotz gegen ihn bin.
EMMY
Wie du nun wieder bist. Ich bin ja bloss deinetwegen freundlich gegen ihn, damit er dich recht vorteilhaft anstellt.
GEORGE
ironisch
So?
abweisend
Meinetwegen! Glaubst du, ich habe nicht bemerkt, wie du ihn immer angesehen hast? So freundlich, so zärtlich, so wie du niemand ansehen solltest als mich. Selbst wie ich vortrat, konntest du keinen Blick von ihm verwenden.
Er zeigt auf seine Pistolen
Siehst du die Pistolen hier? Ich habe sie mitgenommen, weil man mir sagte, der Weg sei nicht sicher. Mit denen schiess ich mich tot, wenn du ihn noch einmal so ansiehst.
EMMY
Sei doch nicht so wild, lieber George, er geht ja noch heute wieder fort –
mit einem unwillkürlichen Seufzer
und wer weiss, ob ich ihn jemals wiedersehe.
Sie geht an ihm vorüber nach rechts
GEORGE
Ja, er muss noch heute zurück nach Davenaut, er soll unser Fräulein heiraten. Aber die ist nicht so wie du. Sie liebt den jungen Herrn Aubry und war nicht so freundlich gegen den Grafen. Mit Tränen hat sie ihren Vater gebeten, den gnäd'gen Herrn wieder wegreisen zu lassen.
EMMY
Also dein Fräulein wird er heiraten?
GEORGE.
Ja. Dir ist's wohl nicht recht? Du könntest vielleicht selber noch eine gnäd'ge Frau werden, nicht wahr? Das ist doch dein höchster Wunsch! O ich Dummkopf! Um dir eine Freude zu machen, weil ich wusste, dass du es gern hast, wenn es recht vornehm bei unsrer Hochzeit hergeht, bitte ich den gnäd'gen Herrn, hierher zu kommen. Deine Freundlichkeit gegen ihn muss er aber schon geahnt haben; kaum sage ich ihm, dass es hier eine Hochzeit gibt, so springt er auf, lässt ein Pferd satteln, nimmt kaum Abschied von unserm alten Herrn und sprengt im Galopp hierher. Ich Esel keuche hinterdrein, um die Freude zu haben, zuzusehen, wie er meine Braut küsst.
Edgar Aubry kommt von links hinten vor der Terrasse
SIEBENTER AUFTRITT
Emmy rechts. George in der Mitte. Aubry links
AUBRY
Guten Abend, George. Ist der Graf hier? Meinen Glückwunsch, schöne Emmy.
GEORGE.
Ja, der gnäd'ge Herr ist im Tanzsaal.
AUBRY
Bitte ihn sogleich, zu mir zu kommen.
GEORGE.
Ich gehe.
leise zu Emmy
Willst du nicht hierbleiben? Es ist ja auch ein junger gnäd'ger Herr.
EMMY
leise
Pfui, George, du wirst mich böse machen. Ich gehe mit dir in den Tanzsaal.
GEORGE
leise
Freilich, da ist der andere, und der ist noch freundlicher.
Beide gehen schmollend ab nach rechts vor der Terrasse
ACHTER AUFTRITT
Aubry allein
AUBRY
Himmel, verleihe meinen Worten Kraft, sein Herz zu rühren. Retten muss ich sie, und sei der Preis mein Leben! Können meine Bitten ihn nicht bewegen, von seinem Vorhaben abzustehen, mein Entschluss ist gefasst, so eile ich zum alten Lord zurück, breche den fürchterlichen Schwur, und entdecke ihm das schreckliche Geheimnis, möge daraus entstehen, was da wolle.
Lord Ruthwen kommt von rechts vor der Terrasse
NEUNTER AUFTRITT
Ruthwen, Aubry zu seiner Linken
RUTHWEN
Wie, Sir Aubry, Ihr hier?
AUBRY
sehr energisch
Ja, überall hin werde ich dir folgen, alle deine Schritte bewachen, überall dich bitten und beschwören, den entsetzlichen Gedanken aufzugeben: überall dir drohend entgegentreten, dir mit Gewalt dein Opfer entreissen. Ruthwen, ich liebe Malwina, ich werde von ihr wieder geliebt! Wenn noch ein Gefühl von Menschlichkeit in deinem Herzen zurückblieb, so lass ab von ihr, morde nicht das Glück zweier Menschen. Er kniet. Hier auf meinen Knieen beschwöre ich dich, weiche von ihr zurück, ich will zu dem Ewigen um Erbarmen für dich flehen - und das Bewusstsein dieser einzigen guten Tat wird wie ein rettender Engel für dich sprechen in der Stunde des ewigen Gerichts!
Er steht auf
RUTHWEN
Verschwende nicht unnötige Worte, törichter Knabe! Mich treibt mein fürchterliches Schicksal. Zürne, tobe, rase gegen den ewigen Kreislauf der Natur! Kannst du ihn stillstehen heissen? Kannst du das Dasein der ganzen Schöpfung in ein leeres Nichts zurückwerfen? Tu's! Ha, auf meinen Knieen will ich dir danken! Ohnmächtiger, geh! Lass ab von mir.