Der Vampyr: Nr.10 - Hier, Malwina, ist der Mann
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DAVENAUT
Hier, Malwina, ist der Mann,
Den ich deiner wert erachte,
Wert des Hauses Davenaut.
RUTHWEN
geht an Davenaut vorüber zu Malwina
Eure Wahl zwar macht mich froh,
Doch beglückt wär ich nur dann,
Wenn Myladys Aug' mir freundlich lachte.
MALWINA
schüchtern, ohne ihn anzusehen
Werter Sir!
sie sieht ihn an
Ha! - Wehe mir!
Sie wankt und sinkt wie tödlich getroffen zusammen. Die nahestehenden Mädchen stützen sie und beschäftigen sich um sie
AUBRY
sich wendend und jetzt erst Ruthwen ansehend, für sich
Gott, wen seh ich!
Ruthwen tritt an Davenaut vorüber, zu ihm
DAVENAUT
für sich, zu Malwina gewendet
Unbegreiflich!
AUBRY
Seh ich recht - du bist - Lord Ruthwen!
RUTHWEN
ruhig
Nein, Sir! Ruthwen ist mein Bruder,
Der auf Reisen schon seit Jahren
Auf dem festen Lande ist.
Lieb ist mir es, zu erfahren,
Was Ihr etwa von ihm wisst.
AUBRY
verwirrt
Was ich weiss? - Er war ja heut' -
RUTHWEN
ihn durch seinen Blick beeinflussend
Nun?
AUBRY
noch verwirrter
Wehe! - Nein, Sir - ich weiss nichts -
Täuschend ist die Ähnlichkeit
Seines - Euren Angesichts.
für sich
Schneidend, wie ein gift'ger Pfeil
Zuckt sein Blick mir durch die Seele,
Diese Ähnlichkeit des Bruders,
Das bedeutet nimmer Heil.
RUTHWEN
für sich
Schneidend, wie ein gift'ger Pfeil
Zuckt sein Blick mir durch die Seele,
Ha, den Träumer hier zu finden,
Das bedeutet nimmer Heil.
DAVENAUT
für sich
Schneidend, wie ein gift'ger Pfeil
Zuckt sein Blick mir durch die Seele,
Seinen Stolz so zu beleid'gen,
Das bedeutet nimmer Heil.
MALWINA
für sich
Schneidend, wie ein gift'ger Pfeil
Zuckt sein Blick mir durch die Seele,
Dass mein Innres vor ihm bebet,
Das bedeutet nimmer Heil.
Sie steht regungslos
CHOR
unter sich
Schneidend, wie ein gift'ger Pfeil
Zuckt sein Blick ihr durch die Seele,
Dass ihr Innres vor ihm bebet,
Das bedeutet nimmer Heil.
DAVENAUT
Nun, Malwina, ist das Sitte?
Weisst du deinen Bräutigam
Freundlicher nicht zu empfangen?
Er geht nach hinten, spricht, Befehle gebend, mit George und den Dienern und unterhält sich mit den Landleuten. Malwina erhebt sich mühsam und wendet sich zu Ruthwen
RUTHWEN
zu Davenaut
Lasst sie, werter Sir, ich bitte.
MALWINA
zu Ruthwen, beklommen
Sir, ich weiss nicht, wie es kam,
Dass ein grausend seltsam Bangen -
RUTHWEN
unterbrechend
Schöne Lady, o verzeiht!
Wie die junge Rose lacht,
Die am Wege einsam blüht,
Hat im innersten Gemüt
Euer Anblick mich erfreut;
Hoffen will ich, dass die Zeit
Euch mein armes Angesicht
Wenigstens erträglich macht.
Er spricht leise mit Malwina
AUBRY
der Ruthwen nicht aus den Augen gelassen hat, für sich
Nein, mein Auge täuscht mich nicht,
Wie er lacht und wie er spricht,
Alles zeigt es deutlich mir,
Ruthwen ist es, der Vampyr!
Er tritt zu Ruthwen und berührt ihn leicht; laut.
Sir, zwei Worte nur, ich bitte!
Er geht mit einigen Schritten nach rechts. Ruthwen folgt ihm nach dort. Davenaut ist inzwischen, Malwina zur Linken, nach vorn gekommen. Malwina wendet sich unter flehenden Gebärden zu ihm und bittet ihn mit leisen Worten, das Unglück von ihr abzuwenden
AUBRY
leise und bestimmt zu Ruthwen
Entsetzlicher, ich habe dich erkannt!
Hier auch die Narb' an deiner Hand!
Unglücksel'ger, darfst du es wagen,
Zu ihr die Augen aufzuschlagen,
Grauses Scheusal der Natur!
RUTHWEN
leise und energisch
Still! Gedenk' an deinen Schwur!
Davenaut hat sich inzwischen wieder, Befehle erteilend, nach hinten zu George gewendet und tritt nun zwischen Ruthwen und Malwina vor. Malwina stützt sich auf die Lehne des Sessels zu ihrer Linken
DAVENAUT
Der Priester ist bestellt, geladen sind die Gäste,
Bereitet alles nun zum frohen Hochzeitsfeste,
Denn ehe noch die Mitternacht entschwunden,
Bist du auf ewig mit ihm verbunden.
MALWINA
ausser sich
Ach, mein Vater!
AUBRY
leise zu Ruthwen
Ich beschwöre Euch!
MALWINA
Ach, diese Eile, gönnt mir Frist,
Wen'ge Tage bitt' ich!
DAVENAUT
Schweig'!
AUBRY
laut zu Davenaut
Sir, verschiebt's bis morgen nur!
DAVENAUT
Nein, unmöglich!
MALWINA
Ach, mein Vater!
Sie wankt zurück in den Sessel
AUBRY
entschlossen auf Davenaut zutretend
Nun, so wisst -
RUTHWEN
ihn mit einer kraftvollen Gebärde zurückhaltend, leise
Still! gedenk' an deinen Schwur!
DAVENAUT
Heute noch, ich gab mein Wort,
Morgen muss der Graf schon fort!
Zum Gesandten, wie bekannt,
Nach Madrid ist er ernannt,
Seine Zeit gebeut zu eilen.
AUBRY
Lasst ihn nur bis morgen weilen.
Sir, seid nicht so fest gesinnt.
Ach, verschiebt's bis morgen nur,
Und Ihr rettet Euer Kind!
Davenaut macht, indem er sich nach Malwina wendet, eine abwehrende Bewegung. Aubry will wie vorher wieder auf ihn zu. Ruthwen hält ihn wiederholt zurück. Davenaut spricht mit Malwina
RUTHWEN
Still! gedenk' an deinen Schwur!
AUBRY
wankt nach rechts, für sich
Ha, kaum halt' ich mich vor Wut!
Doch mein Schwur hält mich gefangen.
Weh mir, seine blassen Wangen
Lechzen schon nach ihrem Blut.
Stimmen der Hölle, die mich umklingen,
Höhnen mir zu: die Tat muss gelingen.
RUTHWEN
für sich
Lachen kann ich seiner Wut,
Denn sein Schwur hält ihn gefangen.
Mägdlein mit den Rosenwangen,
Bald ist mein dein süsses Blut.
Stimmen der Geister, die mich umklingen,
Jubeln mir zu: die Tat muss gelingen.
MALWINA
erhebt sich, beiseite
Freudig bin ich mir bewusst,
Dass so lang dies Herz wird schlagen,
Nimmer ich ihm werd' entsagen;
Dies Gefühl hebt meine Brust!
DAVENAUT
für sich
Freudig bin ich mir bewusst,
Dass das Band, das ich geschlungen,
Meinem Hause Ruhm errungen;
Dies Gefühl hebt meine Brust!
RUTHWEN
für sich
Freudig bin ich mir bewusst,
Ehe noch die Frist verronnen,
Ist dies Opfer mir gewonnen;
Dies Gefühl hebt meine Brust!
MALWINA
für sich
Freudig bin ich mir bewusst,
Dass so lang dies Herz wird schlagen,
Nimmer ich ihm werd' entsagen;
Dies Gefühl hebt meine Brust!
AUBRY
für sich
Freudig bin ich mir bewusst,
Eh' nicht meine Kräfte schwinden,
Wird er nicht sein Opfer finden;
Dies Gefühl hebt meine Brust!
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
im Halbkreis
Wie nach verderblichem Wettergetose
Lächelt die Rose mit freundlichem Blick,
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
Wende sich jede Gefahr dir zum Glück!
DAVENAUT
zu den Jägern und Landleuten zurücktretend
Zum Feste lad' ich euch alle ein,
Jubeln soll alles und fröhlich sein!
Die Jäger und Landleute danken jubelnd durch Verbeugungen
DAVENAUT
sehr wichtig vortretend
Denn heute noch, ich schwör' es laut,
Führt Marsden zum Altar die Braut.
Der ganzen Herrschaft mögt ihr verkünden,
Dass Marsden sich und Davenaut verbinden.
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
freudig etwas vortretend
Singet laut und jubelt froh,
Dass es tönt durchs ganze Land,
Heil, Heil dem Hause Davenaut,
Heil jedem, der mit ihm verwandt!
AUBRY, RUTHWEN, DAVENAUT, MALWINA
jedes für sich
Furchtbar eilend drängt die Zeit
Und vom Ziel bin ich noch weit,
Doch ich will nicht zittern.
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
freudig
Singet laut und jubelt froh,
Dass es tönt durchs ganze Land!
AUBRY, DAVENAUT, MALWINA
jedes für sich
Wer der eignen Kraft vertraut,
Und auf Gottes Hilfe baut,
Den kann nichts erschüttern!
RUTHWEN
für sich
Wer der eignen Kraft vertraut,
Wer der Hölle Macht geschaut,
Nichts kann ihn erschüttern!
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
Heil dem Hause Davenaut,
Jedem, der mit ihm verwandt!
AUBRY, DAVENAUT, MALWINA
jedes für sich
Mögen sich die Wolken türmen,
Mag es brausen, mag es stürmen,
Nichts soll mich erschüttern!
Furchtbar eilend drängt die Zeit,
Und vom Ziel bin ich noch weit,
Doch ich will nicht zittern!
Wer der eignen Kraft vertraut,
Und auf Gottes Hilfe baut,
Den kann nichts erschüttern!
RUTHWEN
für sich
Mögen sich die Wolken türmen,
Mag es brausen, mag es stürmen,
Finstre Nacht die Zukunft decken,
Höhnend uns das Schicksal necken,
Wer der Hölle Macht geschaut,
Ist mit Grausen schon vertraut,
Ihn kann nichts erschüttern!
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
Heil! Heil! - Heil! Heil dem Hause Davenaut!
Heil jedem, der mit ihm verwandt!
Auf, singet laut, singet laut, jubelt froh!
Singet laut und jubelt froh,
Dass es tönt durchs ganze Land!
AUBRY, DAVENAUT, MALWINA
jedes für sich
Wer auf Gottes Hilfe baut,
Den kann nichts erschüttern,
Wenn es blitzet, wenn es kracht,
Sieht er nur des Himmels Macht,
Lachet bei Gewittern.
Wer auf Gottes Hilfe baut,
Den kann nichts erschüttern!
Bei des Unglücks grauser Nähe
Schwillt sein Mut zu Riesenhöhe,
In der Elemente Toben
Hebt er seinen Blick nach oben,
Wenn es blitzet, wenn es kracht,
Sieht er nur des Himmels Macht!
RUTHWEN
für sich
Bei des Unheils grauser Nähe
Schwillt sein Mut zu Riesenhöhe,
Grinsend blicket er nach oben!
Wenn es blitzet, wenn es kracht,
Freut er sich des Bösen Macht!
Bei des Unglücks grauser Nähe
Schwillt sein Mut zu Riesenhöhe,
Grinsend blicket er nach oben
In der Elemente Toben!
Wenn es blitzet, wenn es kracht,
Freut er sich des Bösen Macht!
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
Heil dem Hause Davenaut,
Heil jedem, der mit ihm verwandt!
Heil! Heil! Heil! Heil! - Heil! - Heil! -
Singet laut und jubelt froh,
Dass es tönt durchs ganze Land!
Heil, Heil dem Hause Davenaut!
AUBRY, DAVENAUT, MALWINA
jedes für sich
Ach, vom Ziel bin ich noch weit,
Doch ich will nicht zittern!
Wer der eignen Kraft vertraut,
Und auf Gottes Hilfe baut,
Den kann nichts erschüttern!
RUTHWEN
für sich
Wer der Hölle Macht geschaut,
Ist mit Grausen schon vertraut,
Nichts kann ihn erschüttern!
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
die Fahnen und Hüte schwenkend
Heil! Heil! - jedem, der mit ihm verwandt!
Singet laut und jubelt froh,
Dass es tönt durchs ganze Land!
Heil, Heil dem Hause Davenaut!
Heil, Heil! - Heil, Heil! -
Heil dem Hause Davenaut!
Das Ballett bildet Spalier bis zur Mitteltür. Die Dienerschaft geht voraus. Davenaut reicht Malwina die Hand zum Abgehen. Ruthwen bannt Aubry durch seinen Blick, ihn dadurch von weiteren Schritten abhaltend. Malwina sinkt ohnmächtig nieder. Allgemeine Bestürzung