Ballade von der Kirchturmuhr
Sueverkruep, Dieter
Popularity ยท Low
Listen
YouTube
0:00 / 0:00
Loading YouTube player...
Lyrics offset
Synced
Lyrics
Ich wohne unter einer Kirchturmuhr
Ich wurde schon als Kind dortselbst geboren
Und seit ich denke, schlรคgt die Uhr mir stur
Jedwede Viertelstunde um die Ohren!
Im Stadtteil, der nach toten Seelen riecht
Da steht mein Haus, ich hรถr' die Glocke schlagen
Wie grauer Nebel in die Hรคuser kriecht
Zieht in mein Herz ein feuchtes Unbehagen!
Ich kenne mich nicht aus in Dynamiten
Auch weiร ich nicht die Aufgangstรผr zur Uhr
Da mรผsste ich den Kรผster wieder bitten
Der schon einmal so herb mit mir verfuhr!
Am dritten Sonntage nach Trinitatis
Vor vierzehn Jahr'n, ich weiร es noch wie heut'
Da nahm ich mir die Freiheit Attentatis
Ich hab' es in der Folge oft bereut!
Zwei Kilo Dynamit, fรผr zwรถlf-Mark-achtzig
Zehn Meter Zรผndschnur, die nicht billig war!
Der Scherzartikeleinzelhรคndler macht sich
Noch heute guten Lenz - ich zahlte bar!
Zehn Jahre Zuchthaus, die ich schier verschmollte
Das Auge trรผb, die mรผde Seele Blei
Nur weil der Kรผster mir nicht glauben wollte
Dass ich der Mann vom Straรenbauamt sei!
Zu Weihnachten, nach voll verbรผรter Strafe
Entlieร man mich - ich wurde wieder frei!
Ich fand ein Herz, bei dem ich nรคchtens schlafe
Und ich verdiente leidlich nebenbei!
Dann kam das Kind, wir wurden Eheleute
Das musste sein, denn Wohnungen sind rar!
Wir hatten Glรผck, und ich kann sagen: Heute
Ist alles wieder, wie es frรผher war!
Ich wohne unter einer Kirchturmuhr
Zwei Hรคuser weiter hat man mich geboren!
Hier werd' ich alt, es schlรคgt die Uhr mir stur
Jedwede Viertelstunde um die Ohren!
Im Stadtteil, der nach toten Seelen riecht
Da bin ich krank. Ich hรถre auf zu fragen
Wie grauer Nebel in die Hรคuser kriecht
Zieht in mein Herz ein feuchtes Unbehagen!