Wilhelm Furtwängler Spricht Über Musik 2. Teil: Musik in Der Oper
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Das Genre der Zauberflöte ist eigentlich
Auch nicht zu definieren als solches
Es ist ein, innerhalb der ganzen Literatur
Vollkommen einzigartig dastehendes
Es ist, öh, an sich ein deutsches Singspiel, so wie es zuerst die
Entführung war bei Mozart, aber es ist vollkommen herausgewachsen
Es ist zum Teil eine Freimaureroper, wo Mozart seine
Zugehörigkeit zu Freimaurern da etwas dokumentiert hat
Zum Teil ist es schon ein Vorgänger von der späteren
Operette, allerdings in einer ganz hohen Meise
Es ist der Versuch, absolut bis zum Äußersten gemeinverständlich
Zu sein, ohne irgendetwas von den hohen, von den
Höchsten Ambitionen aufzugeben, die Mozart in sich trug
Und das ist das Einzigartige daran
Und es ist ganz falsch
Es ist meiner Meinung nach ein falscher Intellektualismus
Sozusagen, wenn man das nun restringieren will auf irgendetwas
Wenn man also nur das Märchen sieht oder wenn man es als
Große Schauoper macht oder nur als Weihfestspiel und so weiter
Man muss eben verstehen, dass da die ganze Natur drin ist
Und das ist uns bewussten Menschen von heute sehr schwer
Wir wollen immer gerne, äh, irgendwo ist
Etwas-- muss die Idee von etwas sein
Also, das, der, der heutige Mensch ist glücklich, wenn er sich
Einbilden kann: "Ja, das ist also
Alles Märchen, alles märchenhaft, oder?
Oder es ist alles so, oder es ist alles so
Er braucht eine Idee
Hier ist die Idee, dass gerade keine
Idee ist, sondern etwas viel Größeres
Das ist die Wirklichkeit, eine Wirklichkeit
Darin liegt das ganz Einzigartige dieses Werkes
Wir sind nicht eine Rokokooper, wie Figaro zum Beispiel
Oder Don Juan, eine erweiterte Barock
Äh, oder etwas Shakespeare'sche
Das ist was ganz anderes
Das Größte und das Wesentlichste an der Zauberflöte ist der Adel
Der Natur, der aus allem jeder musikalischen Bildung spricht
Und dieser Adel, das ist, ist Eigentum von Mozart
Das heißt also nicht nur des Menschen Mozart, man kann auch
Sagen, des ganzen Menschentums, was hinter ihm steht, das ist
Ganz Europa ist in gewissem Sinne, aber nicht nur die Epoche
Und dieses Menschentum ist eigentlich das Wesentliche
Ich glaube, dass man, äh, an die Inszenierung als solche
Überhaupt nicht zu große Anforderungen stellen darf
Die Inszenierung ist gar nicht allein wichtig
Es ist viel wichtiger, dass die musikalischen Bildungen warm
Schlicht, einfach und edel, so wie sie sind, dargeboten werden
Mit dieser Art von hohen Naivität, die sie haben
Ja, das ist so schwer, weil wir heute im Allgemeinen unsere
Naivität verloren haben und sie wieder suchen und die Zauberflöte
Sozusagen die zweite Naivität, die Wiedergefundene darstellt
Wagner kam in ein Zeitalter, wo man nur Opern machte und
Man überhaupt nicht hörte, was da eigentlich gesungen wurde
Und, äh, er wollte ein durchgeführtes Drama haben, ein
Eigentlich Musikdrama, wo das Wort durchaus immer gehört wird
Äh, nun hat das in, im Fall Bayreuth gewisse
Äh, Vorteile, gewisse, äh, Nachteile
Das Orchester klingt zweifellos unten wie in einem Sack einfach
Und es ist, äh, wenn man das so bildlich beschreiben
Sollte, ist wie ein, ein luftleerer Raum
Zwischen der Stimme und dem, was da unten klingt
Die Stimme muss eigentlich so wie Öl aufm Wasser
Muss sie auf dem Orchester schwimmen, dem Klang nach
So aber ist da immer wie ein, ein Zwischenraum dazwischen
Man hört die Stimmen sehr deutlich
Man kann, äh, jedes Wort verstehen, wenn es richtig aufgeführt wird
Aber der sinnliche Klang und Glanz des Orchesters, der eigentlich in
Der Intention des Komponisten lag, der kommt nicht ganz zur Geltung
Nur beim Parsifal, der dafür, äh, äh, instrumentiert ist
Der also schon mit den Erfahrungen der ersten Bayreuth-
Aufführung, der ersten Ringaufführung, gemacht ist
Da ist es ganz-- Der Parsifal ist ganz anders instrumentiert
Ganz anderer Art und der klingt wirklich fabelhaft in Bayreuth
Auch erinnere ich mich einer Aufführung im Jahr 1912
Die zweifellos die schönste Wagneraufführung war, die
Ich je erlebt habe von The Meistersinger in Bayreuth
Da war der noch unter Richter
Da war diese ganze Oper so, dass man überhaupt
Nicht merkt, dass man in einer Oper sitzt
Man hatte den Eindruck, es ist ein Konversationsstück
Man hört, die pointen alle
Es ist so wie ein Theaterstück, ein gesprochenes Theaterstück
Man, es kam gar nicht zu Bewusstsein, dass Musik dabei war
Dabei aber das Ganze doch derartig in einer musikalischen Atmosphäre
Drin, dass das eine ganz kolossale Wirkung machte, damals
Und da wurde mir damals klar, wie eigentlich
Wagner sich so etwas gedacht hat
Während, wenn ich heute dirigieren soll, sagen wir
Eine Wagner-Oper, im Allgemeinen ziehe ich eher die
Offenen Orchester vor, weil das Orchester eben sehr viel
Mehr Glanz hat und mehr mit den Stimmen sich vermengt
Nur ist dabei, äh, 'ne Voraussetzung, dass ein Dirigent da ist
Der eben dirigieren kann, also der wirklich begleiten kann