12 Der Schreiber im Korb
Streuner
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Es ging einst ein Schreiber spazieren hinaus,
Da sah er ein Mรคdchen stehend vor ihrem Haus,
Er sprach: "Grรผร euch Gott liebe Jungfrau mein,
Wollt ihr heute Nacht wohl mein Schlafbuhl sein?"
Sie sagte: "Das soll mir das Wenigste sein,
Komm du nur zu mir, ich mach es dir fein."
Der Schreiber fragt eilig: "Und wie stell ich's an?
Dass ich unbemerkt zu dir 'raufkommen kann?"
"Gehst unten zum Tor rein ganz ohne Genier,
Tust halt dem Hausknecht ein Trinkgeld spendier'n,
Ich lass einen Strick zum Bodenloch raus,
Dann suchst einen Korb dir und bindest ihn drauf."
Und als es nun so gegen Mitternacht war,
Ganz heimlich der Schreiber gegangen kam da,
Der tat wie befohlen und suchte das Seil,
und band sich den Korb drauf in sehr groรer Eil.
Kaum dass er gesessen, da gings in die Hรถh,
Er war voller Freude und rief laut: "Juch he!"
Jedoch als er oben beim zweiten Stock war,
Da lies sie ihn hรคngen, ei so wie ein Narr.
Er bimmelt und bammelt und ruft: "Lieber Engel!
Ich bin erst im zweiten Stock, zieh noch ein Wengel!"
Da ruft das Mรคdchen zum Bodenloch raus:
"Du hรคngst doch ganz gut da!", und lacht ihn nur aus.
Am nรคchsten Tag als schon die Sonne raus war,
Der Schreiber im Korbe hing immernoch da,
Da kam der Hausherr, fragt: "Was ist geschehen?
So hab ich mein Lebtag noch kein' hรคngen sehen!"
"Ei, Schreiber wollst wohl zum Himmel 'nauf fahren,
Und hattest dazu kein Ross und kein Bahn,
's wรคr besser du tรคtest zur Frรผhmesse gehen,
Als nรคchtens bei schรถnen Mรคdchen zu stehen."