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Der Taucher, D.

Dietrich Fischer-Dieskau & Gerald Moore
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Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp, zu tauchen in diesem Schlund? Einen goldenen Becher werf ich hinab Verschlungen schon hat ihn der schwarze Bund Wer mir den Becher kann wieder zeigen Er mag ihn behalten, er ist sein Eigen Der König spricht es und wirft von der Höh' der Klippe, die schroff und steil hinaus senkt in die Unendliche See, den Becher in der Charybde geheu'n Wer ist der Beherzte? Ich frage wieder, zu tauchen in diese tiefen Ider Und die Ritter, die knappen um ihn her, vernehmen's und schweigen Still, sehen hinab in das wilde Meer Und keiner den Becher gewinnen will Und der König zum dritten Mal wieder fraget: "Ist keiner, der Sich hinunter waget?" Doch alles noch stumm bleibt wie zuvor Und ein Edelknecht, sanft und keck, tritt aus der Knappen Zagendem Chor und die Görde wirft ihr den Mantel weg Und alle die Männer umher und Frauen auf Den herrlichen Jüngling verwundert schau'n Und wie er tritt an des Felsene Hang und blickt in Den Schlund hinab, die Wasser, die sich hinunterschlagen Die Charybde jetzt brüllend wieder gab Und wie mit des fernen Donners Gekose Entstürzen sie strömend dem finsteren Schoße Und es wallet und siedet und brauset und zischt, wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt, wie wenn Wasser mit Feuer sich Mengt, bis zum Himmel spritzet der dampfende Gischt und Flut Auf Flut sich ohne Ende drängt und will sich immer erschöpfen Und leeren, als wollte das Meer noch ein mehr gebären Doch endlich, da legt sich die wilde Gewalt und Schwarz aus Dem weißen Schaum, klaffte hinunter ein gellender Spalt Grundlos, als ging's in den Höllenraum Und reißend seht man die brandenden Bogen Hinab, in des Boden Trichter gezogen Jetzt schnell, eh die Brandung wiederkehret, der Jüngling Sich Gott befiehlt und ein Schrei des Entsetzens wird Rings gehört und schon hat ihn der Wirbel hinweggespült Und der König, der lieblichen Tochter, winkt Die füllt ihn mit vogendem Wein bis zum Rande Und der Jüngling sich also zum König wandte: Lange lebe der König! Es freue sich, wer atmet im rosigen Licht Aber da unten ist's höllisch herrlich Und der Mensch versuche die Götter nicht und begehre, nimmer Und nimmer zu schauen, was sie gnädig bedecken mit Nacht Und Grauen, was sie gnädig bedecken mit Nacht und Grauen Es riß mich hinunter, blitzschnell Da stürzt' mir aus felsigem Schlacht entgegen ein reißender Quell Mich packte des Doppelstroms wütende Macht, und wie Einen Kreise mit schwindendem Drehen trieb mich's Um, trieb mich's um, ich konnte nicht widerstehn Da zeigte mir Gott, zu dem ich rief, in der höchsten Schrecklichen Flut, aus der Tiefe ragend, ein Felsen Rief, das erfaßt' ich behend' und entrann den Tod Und da hing auch der Becher an Spitze vor Allen, sonst wär er ins Bodenlose gefallen Denn unter mir lag's noch bergetief in purpurer Finsternis Da, und ob's hier dem Ohre gleich eh nicht schlief, das Auge mit Schaudern hinuntersah, wie's von Salamandern und Molchen Drachen sich regte in dem furchtbaren Höllenrachen Schwarz wimmelte da in Grausen Gemisch zu scheußlichen Klumpen geballt, der stachlichte Roche, der Krötenfisch Des Hammers gräuliche Ungestalt; und reuend wies mir die Grimmigen Zähne der entsetzliche Hai des Meeres Hölle Und da hing ich und war's mir mit Grausen bewußt, von der Menschlichen Hülfe so weit, so weit, und larven die einzige fühlende Brust allein in der gräßlichen Einsamkeit, tief unter dem Schall Der menschlichen Rede, bei den Ungeheuern der traurigen Höhde Schaudernd achtes: Da kroch heran, mit hundert Gelenken zugleich Im Schnappen nach mir, in Schrecken zwar, las ich los, der Koralle klammernd den Zweig; gleich faßte mich der Strudel mit Rasendem Toben; doch es war mir zum Heil: er riss mich nach oben Der König darob sich verwundert schier und spricht: "Der Becher Ist dein, und diesen Ring noch bestimm' ich dir, geschmückt mit Dem köstlichsten Edelgestein."Versuchst du's noch einmal und bringt Mir Kunde, was du sagst, auf des Meers tief unterstem Grunde? Das hört er die Tochter mit weichem Gefühl und mit schmeichelnder Sie fleht: "Lass, Vater, genug sein, das grausame Spiel Er hat euch bestanden, was keiner besteht Und könnt ihr des Herzensgelüste nicht zähmen So mögen die Ritter die Knappen beschämen Traut der König, greif nach dem Becher Schnell in den Strohel ihm sprudelnd hinein Und schaffst du den Becher mir wieder zur Still So sollst du der trefflichste Ritter mir sein Und sollst sie als Gegenwart heut noch umarmen Die jetzt für dich bittet mit zartem Erbarmen Da ergreift sie die Seele mit Himmelsgewalt, und es blitzt aus Dem Auge ihm höh und er siehet ergrößert die schöne Gestalt Und sieht sie erbleichend, die schöne Gestalt, und sinkt hin Da treibt's ihn, den köstlichen Preis zu erwerben Da treibt's ihn, den köstlichen Preis zu erwerben Und stürzt die Not auch auf Liebe und Sterben Sterben Wohl hört man die Bracken, Wohl kehrt sie Zurück, Sie verkündigt der Wonnende Schall Da bückt sich hinunter mit liebendem Blick Da bückt sich hinunter mit liebendem Blick Es kommen, es kommen die Wasser ein, es kommen, es Kommen die Wasser ein, sie rauschen heraus, sie Rauschen nieder, doch den Jüngling bringt keines wieder